Epidemiologie
2 cats

Zusammenfassung epidemiologischer Befunde:

  • Bei B. bronchiseptica sind meist asymptomatisch Keimträger vorhanden
  • Stressbedingungen können zu opportunistischen Erkrankungen führen [Stressbedingungen, Epidemiologie/Epidemiologie von Bb/großangelegte epidemiologische Studien]
  • Katzen in Zuchtstationen, Forschungseinrichtungen oder Haushalte mit mehreren Katzen haben das größte Risiko.
  • Das Risiko erhöht sich auch, wenn Katzen auf Ausstellungen oder in Katzenpensionen gebracht werden.
  • B. bronchiseptica kann von Hunden auf Katzen übertragen werden [von Hunden auf Katzen, Epidemiologie/Epidemiologie von Bb/ Studien zur Übertragung von Hunden auf Katzen].
  • Der Geburtsvorgang kann die Erregerausscheidung und eine Infektion der Jungkatzen auslösen.


Die Infektionsübertragung erfolgt unter Kontakttieren durch direkten engen Kontakt oder durch eine Tröpfcheninfektion. Der Erreger überlebt außerhalb des Wirtes nur kurze Zeit und wird durch viele gewöhnliche Desinfektionsmittel sowie extreme pH-Werte oder Temperaturen rasch abgetötet. In einer stark kontaminierten Umgebung - insbesondere durch infizierten Schleim - kann er aber ausreichend lange überleben, so dass eine indirekte Übertragung möglich ist.


Großangelegte epidemiologische Studien

Erhebungen, wie sie von Binns et al. (1999) durchgeführt wurden, erbrachten sehr viele Informationen zur Epidemiologie der Erkrankung. Ziel dieser Studie an 740 Katzen war es, die Prävalenz der B.-bronchiseptica-Infektion abzuschätzen und Risikofaktoren zu identifizieren, die für eine Infektion prädisponieren könnten. B. bronchiseptica wurde aus 11 % aller Katzenproben isoliert; 19,5 % von Katzen aus Katzenrettungsstationen, 9 % bei Katzen aus Zuchtstationen und 13,5 % bei Katzen aus Forschungseinrichtungen sowie 8,1 % aus Haushalten mit 1-3 Katzen. Bei Tieren aus Katzenzuchtstationen war eine signifikante Verbindung zwischen einer B.-bronchiseptica-Infektion und respiratorischen Erkrankungen nachzuweisen.

McArdle et al. (1994) wiesen serologisch in der Liverpool-Studie ähnliche Resultate nach. In dieser Studie waren die höchsten Expositionsraten in Haushalten mit mehreren Katzen und in Katzenrettungsstationen (83-87 %) zu beobachten. In Privathaushalten mit 1-3 Katzen hatten dagegen in der Vergangenheit nur 29 % der Tiere Kontakt.

In einer italienischen Studie an 162 Katzen wiesen Pennisi et al. (1999) in Katzenheimen mit über 20 Katzen eine Isolationsrate von 38,5 % nach, eine Rate von 24,8 % in Haushalten mit mehreren Katzen und von 4 % in Haushalten mit einer Katze. Die Befunde dieser und anderer Studien (Pedersen 1988) sprechen dafür, dass eine feline Infektion mit B. bronchiseptica unter Feldbedingungen bei allen Katzen auftreten kann, aber vor allem mit Bedingungen wie Überbelegung und Stress assoziiert ist.


Studien zu Keimträger-Katzen

Asymptomatische Langzeit-Keimträger von B. bronchiseptica kommen bei Katzen oft vor (Coutts et al., 1996), was dafür spricht, dass es sich um einen opportunistischen Erreger handelt. Wahrscheinlich steht die Erkrankung in Verbindung zu zahlreichen Faktoren, wie Stress nach dem Absetzen, Aufenthalt in Katzenpensionen, Reisen zu Katzenausstellungen, Überbelegung in Katzenstationen oder schlechter Hygiene. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zu einer Phasenvariation der Virulenzdeterminanten, wie sie bei Hunden und Schweinen beobachtet wurde. Die Bedeutung von Keimträger-Katzen ist in experimentellen Studien belegt. Nach der Genesung schieden Katzen den Erreger mindestens 19 Wochen lang aus (Coutts et al., 1996). Außerdem wurde der Erreger post partum aus klinisch gesunden, seropositiven Mutterkatzen isoliert, die unter Isolationsbedingungen gehalten wurden und den Keim vor dem Geburtsvorgang nicht ausschieden. Dies spricht dafür, dass der Geburtsstress die Ausscheidung induzieren kann. (Coutts et al., 1996). Jüngere Tiere scheinen für das Bakterium, möglicherweise infolge einer Immuninkompetenz oder durch den Stress beim Absetzen, besonders anfällig zu sein (Pennisi et al., 1999). Darüber hinaus scheint die Infektion dieser jungen Tiere zu stärkeren Symptomen zu prädisponieren, z. B. zu einer Bronchopneumonie (Pedersen, 1988).


Studien zur Übertragung zwischen Katzen und Hunden
dog and cat

Als weiteren wichtigen Befund zeigte die Studie von Binns (1999), dass zwischen der Isolierung von B. bronchiseptica von Katzen und der Gegenwart von Hunden mit jüngst zurückliegender Atemwegserkrankung im gleichen Haushalt eine enge Verbindung bestand. Dies spricht für eine Übertragung des Erregers zwischen Hunden und Katzen. Unterstützt wird diese Hypothese durch die Beobachtung, dass Isolate von Hunden und Katzen entweder identisch oder ähnlich sind (Binns et al., 1998). Außerdem teilten Dawson et al. (2000) einen Hustenausbruch bei zwei Hunden in einem Privathaushalt mit, dem bald ähnliche Symptome bei zwei Kontakt-Katzen folgten. Isolate von B. bronchiseptica mit ähnlichen PFGE-Profilen waren bei allen Tieren nachweisbar. Dies ist zum einen ein Hinweis dafür, dass zwischen den Spezies eine Übertragung stattgefunden hat, und zum anderen, dass B. bronchiseptica für respiratorische Symptome bei beiden Spezies verantwortlich war.


Zusammenfassung der epidemiologischen Befunde

Die Bedeutung dieser epidemiologischen Befunde lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: B. bronchiseptica ist in der Katzenpopulation weit verbreitet, am häufigsten sind aber wahrscheinlich asymptomatische Keimträger. Zahlreiche Wirts- und Umweltfaktoren - vor allem wenn sie mit Stressbedingungen einhergehen - können eine opportunistische Infektion auslösen. Daher tritt eine Erkrankung am häufigsten bei Katzen in Zuchtstationen oder Forschungseinrichtungen auf, aber auch bei Hauskatzen oder Katzen, die ausgestellt oder in Katzenpensionen versorgt werden, die in einem Haushalt mit mehreren Katzen oder im gleichen Haushalt mit einem Hund leben. Durch den Stress beim Geburtsvorgang können Mutterkatzen B. bronchiseptica auf ihren Wurf übertragen und die Jungkatzen für eine Infektion anfällig machen. Jungkatzen aus Zucht- und Katzenrettungsstationen haben daher ein besonders hohes Risiko. Dies ist vor dem Hintergrund einer im Vergleich zu adulten Katzen erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine sich rasch entwickelnde Bronchopneumonie bei mit B. bronchiseptica infizierten Jungkatzen besonders beunruhigend (Welsh 1996).